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Photovoltaik nach 20 Jahren: Weiterbetrieb, Repowering oder Rückbau — was sich 2026 lohnt

Turn Solar Team29. August 20267 Min. Lesezeit
Fachbetrieb prüft eine Bestands-PV-Anlage auf einem Einfamilienhausdach — vor der Entscheidung über Weiterbetrieb oder Repowering

Nach 20 Jahren endet die feste EEG-Vergütung — aber nicht die Anlage. Ein 2005 gebautes Dach arbeitet 2026 typischerweise noch mit rund 90 Prozent seiner ursprünglichen Leistung. Die entscheidende Frage ist deshalb nicht, ob die Module noch laufen, sondern wie der Strom weiter Geld bringt: Eigenverbrauch statt Einspeisung. Das ist fast immer die bessere Antwort als ein vorschneller Komplett-Tausch.

Letzten Sommer rief ein Eigentümer aus Düsseldorf an, dessen Anlage 2006 ans Netz gegangen war. Er hatte gelesen, dass die Vergütung wegfällt, und wollte sofort alles neu machen. Wir ließen erst einen Anlagencheck laufen. Ergebnis: Die Module lieferten 91 Prozent der Nennleistung, nur der Wechselrichter war am Ende. Für ein paar hundert Euro kam ein neuer, die Anlage läuft weiter. Der Komplett-Tausch hätte das Zehnfache gekostet und wäre nach der Rechnung unnötig gewesen. Seitdem ist mein erster Reflex bei „nach 20 Jahren" immer derselbe: messen, bevor man reißt.

Fachbetrieb bei der Montage von Solarmodulen auf einem Einfamilienhausdach — Repowering ersetzt alte durch leistungsfähigere Module
Fachbetrieb bei der Montage von Solarmodulen auf einem Einfamilienhausdach — Repowering ersetzt alte durch leistungsfähigere Module

Was passiert nach 20 Jahren mit der Vergütung?

Der feste EEG-Satz endet am Ende des 21. Betriebsjahres. Für eine Anlage aus 2006 ist das der 31. Dezember 2026. Danach passiert juristisch etwas Erfreuliches: Der Netzbetreiber muss den Strom weiterhin abnehmen und vergüten — nur eben nicht mehr zum alten Garantiesatz, sondern zum Jahresmarktwert Solar. Der lag 2025 bei 4,51 Cent pro Kilowattstunde, abzüglich einer Vermarktungspauschale von 0,72 Cent (2026: 0,23 Cent). Mit einem intelligenten Messsystem halbiert sich die Pauschale.

Diese Übergangsregelung galt ursprünglich nur bis Ende 2027. Das Solarpaket I vom Mai 2024 hat sie bis Ende 2032 verlängert. Wer nichts tut, speist also einfach weiter ein und bekommt weiter Geld — nur weniger als zuvor. Ab 2033 läuft der Strom dann über die Direktvermarktung an der Strombörse, wie bei Neuanlagen.

Wichtig für die Einordnung: 4,51 Cent klingen wenig, aber die Anlage ist abbezahlt. Der Strom kostet Sie nichts mehr. Selbst ein Marktwert von 3 bis 5 Cent ist reiner Gewinn — der Unterschied zum EEG-Satz ist vor allem ein gefühlter Verlust, kein wirtschaftlicher.

Eigenverbrauch statt Einspeisung: der eigentliche Hebel

Die alte Anlage war auf Volleinspeisung gebaut — 2006 war das Standard, weil die Vergütung von über 50 Cent jede Netzstrom-Ersparnis schlug. 2026 ist die Rechnung umgekehrt. Jede selbst verbrauchte Kilowattstunde spart 33 bis 37 Cent Netzstrom. Eingespeist bringt dieselbe Kilowattstunde nur 4,51 Cent.

Ein Rechenbeispiel der Verbraucherzentrale: Eine kleine 2-Kilowatt-Anlage macht bei reiner Volleinspeisung im Jahr 68 Euro Einnahmen gegen 130 Euro Zähler- und Betriebskosten — ein Minus von 62 Euro. Umgestellt auf 40 Prozent Eigenverbrauch steht daraus ein Plus von 115 Euro. Bei einer 5-Kilowatt-Anlage mit 20 Prozent Eigenverbrauch sind es 265 Euro Überschuss.

Die Umstellung kostet einmalig — vom einfachen Umbau für rund 200 Euro bis zur Zählerschrank-Ertüchtigung für bis zu 2.000 Euro, ohne Speicher. Wer tagsüber ein E-Auto lädt oder eine Wärmepumpe laufen lässt, holt das schnell wieder rein.

Bestands-Einfamilienhaus mit Ziegeldach bei Abendlicht — hier entscheidet sich, ob sich Eigenverbrauch oder Repowering lohnt
Bestands-Einfamilienhaus mit Ziegeldach bei Abendlicht — hier entscheidet sich, ob sich Eigenverbrauch oder Repowering lohnt

Speicher nachrüsten: aus 30 Prozent werden 80

Der größte Einzelhebel für eine ausgeförderte Anlage ist ein Batteriespeicher. Ohne Speicher verbrauchen Altbetreiber oft nur 20 bis 30 Prozent ihres Stroms selbst — den Rest geben sie für 4,51 Cent ab. Ein nachgerüsteter Speicher hebt die Eigenverbrauchsquote auf bis zu 80 Prozent.

Der Speicher hängt als eigenständige EEG-Anlage am Netz und wird separat im Marktstammdatenregister geführt. An der alten Vergütung ändert er nichts — die 20-Jahres-Frist der Anlage bleibt unberührt. Was er ändert, ist die Abrechnung am Jahresende: weniger Netzbezug, weniger Einspeisung zu Schleuderpreisen. Details zum Nachrüsten stehen im Ratgeber Stromspeicher nachrüsten.

Nachgerüsteter Batteriespeicher im Keller — hebt die Eigenverbrauchsquote einer Bestandsanlage auf bis zu 80 Prozent
Nachgerüsteter Batteriespeicher im Keller — hebt die Eigenverbrauchsquote einer Bestandsanlage auf bis zu 80 Prozent

Repowering: Wann sich der Austausch wirklich lohnt

Nicht jede alte Anlage gehört ausgetauscht. Die Faustregel, die auch der ADAC nennt: Repowering lohnt, wenn die tatsächliche Leistung mehr als 20 Prozent unter der Nennleistung liegt — oder wenn der Wechselrichter stirbt. Der hält nämlich nur 10 bis 15 Jahre, während die Module 25 bis 30 Jahre durchhalten.

Der Leistungsverlust ist langsamer, als viele glauben. Module verlieren etwa 0,5 Prozent pro Jahr. Nach 20 Jahren sind es rund 90 Prozent Restleistung — ärgerlich, aber kein Grund für einen Komplett-Tausch. Dazu kommt der Effizienzsprung: Aktuelle Module schaffen über 22 Prozent Wirkungsgrad, die 2006er-Generation lag oft unter 18 Prozent. Auf derselben Dachfläche holt ein Repowering also spürbar mehr Ertrag — für einen eigenen, neuen Vergütungsanspruch von 20 Jahren, wenn der Zubau noch 2026 ans Netz geht. Die genauen Sätze stehen im Ratgeber zur Einspeisevergütung 2026.

Die Kosten sind überschaubar: Wechselrichter-Tausch 80 bis 150 Euro pro Kilowattpeak, Modul-Tausch 200 bis 400 Euro, Module samt Unterkonstruktion 1.200 bis 1.600 Euro. Seit 2023 gilt der Nullsteuersatz auf PV-Komponenten — auch beim Repowering. Den Austausch übernimmt ein qualifizierter Fachbetrieb; bei Turn Solar liegt der Part in Planung, Auslegung und Koordination.

Rückbau und Entsorgung: kein Hausmüll

Wer doch neu baut, muss die alten Module loswerden. Seit 2015 zählen sie als Elektroschrott nach ElektroG — der Hausmüll ist tabu, Verstöße können ein Bußgeld kosten. Für Privathaushalte nehmen Wertstoffhöfe in der Regel 20 bis 50 Module kostenlos an. Für Module, die nach dem 24. Oktober 2015 in Verkehr gebracht wurden, ist die Hersteller-Rücknahme kostenlos. Bei älteren Modulen ist die Abgabe am Wertstoffhof gängige Praxis.

Bevor man entsorgt, lohnt der zweite Blick: Ein funktionsfähiges Modul ist als Ersatzteil oft mehr wert als sein Recyclingpreis. Wer nur einzelne defekte Module hat, tauscht besser gezielt als die ganze Fläche.

Was Sie im Marktstammdatenregister melden müssen

Die Registrierung bei der Bundesnetzagentur ist für jede PV-Anlage Pflicht — unabhängig davon, ob noch eine Vergütung läuft. Fehlt der Eintrag, drohen Bußgeld und der Verlust von Zahlungsansprüchen. Gemeldet werden müssen neben der Erstregistrierung auch jede Änderung: Betreiberwechsel, Wechsel der Einspeiseart, technische Umbauten beim Repowering und die Stilllegung beim Rückbau. Die genaue Abfolge erklärt der Ratgeber Photovoltaik anmelden im Marktstammdatenregister.

Häufig gestellte Fragen

Was passiert nach 20 Jahren mit der Einspeisevergütung?

Der feste EEG-Satz endet am Ende des 21. Betriebsjahres. Der Netzbetreiber muss den Strom danach weiterhin abnehmen und zum Jahresmarktwert Solar vergüten — 2025 waren das 4,51 Cent pro Kilowattstunde abzüglich Vermarktungspauschale. Die Anschlussregelung gilt nach dem Solarpaket I bis Ende 2032, ab 2033 folgt die Direktvermarktung.

Lohnt sich der Weiterbetrieb einer alten PV-Anlage?

Fast immer. Nach 20 Jahren liefern die Module rund 90 Prozent der ursprünglichen Leistung, und die Anlage ist abbezahlt. Der Strom hat keine Kapitalkosten mehr — jeder Marktwert oberhalb der laufenden Kosten ist Gewinn. Noch lukrativer wird es mit Eigenverbrauch, weil jede selbst genutzte Kilowattstunde 33 bis 37 Cent Netzstrom spart.

Wann lohnt sich Repowering?

Wenn die tatsächliche Leistung mehr als 20 Prozent unter der Nennleistung liegt, der Wechselrichter das Lebensende erreicht oder der Verbrauch durch E-Auto und Wärmepumpe stark gestiegen ist. Ein vorschneller Komplett-Tausch nur wegen des Vergütungsendes ist selten wirtschaftlich — erst messen, dann entscheiden.

Was kostet ein Repowering?

Wechselrichter-Tausch 80 bis 150 Euro pro Kilowattpeak, Modul-Tausch 200 bis 400 Euro, Module samt Unterkonstruktion 1.200 bis 1.600 Euro. Ein 10-Kilowattstunden-Speicher kostet 4.000 bis 9.000 Euro zusätzlich. Auf PV-Komponenten gilt seit 2023 der Nullsteuersatz.

Muss ich die Anlage im Marktstammdatenregister ändern?

Ja, bei Betreiberwechsel, Wechsel der Einspeiseart, technischen Umbauten und Stilllegung. Die Registrierung ist für alle Anlagen Pflicht, auch ohne EEG-Vergütung. Wer sie versäumt, riskiert Bußgeld.

Wie entsorge ich alte Solarmodule?

Alte Module sind seit 2015 Elektroschrott und gehören nicht in den Hausmüll. Wertstoffhöfe nehmen 20 bis 50 Module meist kostenlos an. Für Module nach dem 24. Oktober 2015 ist die Hersteller-Rücknahme kostenlos.


Die alte Anlage wegzuwerfen, weil die Vergütung ausläuft, ist 2026 meistens ein Fehler. Die Module arbeiten weiter, der Strom ist bezahlt, und der eigentliche Hebel heißt Eigenverbrauch. Wer misst statt reißt, spart sich den teuersten Fehler nach 20 Jahren: einen Komplett-Tausch, den niemand gebraucht hätte. Bei Turn Solar fängt jede dieser Entscheidungen mit einer Bestandsaufnahme an — über 2.000 PV-Projekte in NRW, digital geplant, Festpreis vor Vertrag.

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