PV-Anlage Ertrag zu niedrig: Ursachen finden und prüfen
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Ein paar kurze Fragen zu Ihrem Dach — danach rechnen wir Ertrag, Eigenverbrauch und Festpreis für Ihre Anlage.
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Bestimmt Statik, Montageart und die passende Anlagengröße
Ob Ihre PV-Anlage wirklich zu wenig Ertrag bringt, zeigt erst ein fairer Vergleich: derselbe Monat im Vorjahr und eine Ertragsberechnung für Ihren Standort. Viele vermeintliche Minderträge sind Wetter und Jahreszeit. Bleibt nach diesem Vergleich eine Lücke, kommen fünf Ursachen in Frage: die gesetzliche 60-Prozent-Begrenzung der Einspeisung, neue Verschattung, Verschmutzung, ein ausgefallener String oder ein Problem am Wechselrichter. Die meisten davon lassen sich am Verlauf der Tageskurve in der App unterscheiden. Was Sie selbst prüfen dürfen und was eine Elektrofachkraft übernimmt, steht unten.
Welche Erträge pro kWp grundsätzlich zu erwarten sind, erklärt der Beitrag zum Photovoltaik-Ertrag pro kWp. Hier geht es um die Diagnose, wenn die Zahlen nicht passen.
Erst vergleichen: Ist der Ertrag wirklich zu niedrig?
Die Verbraucherzentrale rät, nach der Inbetriebnahme regelmäßig Funktion und Ertrag der Anlage zu kontrollieren. Die Daten dafür liefert in der Regel der Wechselrichter, am Display, auf einer Internetseite oder in einer App.
Für den Vergleich taugen drei Bezugsgrößen:
- Derselbe Monat in den Vorjahren. Ein Oktober gegen einen Juli zu stellen, sagt nichts.
- Eine Ertragsberechnung für Ihr Dach, etwa aus dem kostenlosen Rechner PVGIS der EU-Kommission.
- Anlagen in der Nachbarschaft. Die Verbraucherzentrale nennt den Vergleich mit anderen Anlagen in der Region oder mit der Sonneneinstrahlung als Maßstab für die „Sonnenernte“.
Eine einzelne trübe Woche ist kein Befund. Ein Minderertrag über mehrere sonnige Tage oder über Monate hinweg schon.
Wetter und Jahreszeit: was PVGIS für NRW erwartet
Laut Verbraucherzentrale schwankt der Stromertrag mit der Sonneneinstrahlung und den Jahreszeiten. Wie stark, zeigt eine PVGIS-Berechnung für Düsseldorf mit 1 kWp, 35 Grad Neigung, Südausrichtung und 14 Prozent Systemverlusten:
| Monat | Erwarteter Ertrag pro kWp | Schwankung von Jahr zu Jahr |
|---|---|---|
| Juni | 126 kWh | ± 14 kWh |
| Oktober | 71 kWh | ± 12 kWh |
| Dezember | 29 kWh | ± 8 kWh |
| Gesamtjahr | 1.033 kWh | ± 59 kWh |
Zwei Dinge fallen auf. Der Dezember bringt nur knapp ein Viertel des Junis. Und schon der Mittelwert eines Monats schwankt zwischen den Jahren deutlich. Ein Dezember, der ein Viertel unter dem Vorjahr liegt, kann also schlicht ein grauer Dezember gewesen sein. Ihre eigene Anlage rechnen Sie in PVGIS mit Ihrer Adresse, Neigung und Ausrichtung nach.
Mittags oben abgeschnitten: die 60-Prozent-Begrenzung
Zeigt die Tageskurve an sonnigen Tagen mittags eine gerade Linie statt einer Kuppe, ist das oft kein Defekt. § 9 Abs. 2 EEG verpflichtet Betreiber von Anlagen mit Einspeisevergütung und weniger als 25 kW, bis zum Einbau eines intelligenten Messsystems mit Steuerungseinrichtung und dessen erfolgreicher Testung „am Verknüpfungspunkt dieser Anlagen mit dem Netz jeweils die maximale Wirkleistungseinspeisung auf 60 Prozent der installierten Leistung“ zu begrenzen.
Nicht jede Anlage ist betroffen. Nach § 100 Abs. 3b EEG gilt die Pflicht nicht für Anlagen, die nach dem 31.12.2022 und vor dem 25.02.2025 in Betrieb genommen wurden. Bei älteren Anlagen kann nach früherem Recht eine Begrenzung auf 70 Prozent eingestellt sein. Für kleine Anlagen bis 7 kW regelt § 100 Abs. 3a EEG, wann diese ältere Pflicht entfällt.
Die Grenze gilt für die Einspeisung ins Netz. Strom, den Haus, Speicher oder Wallbox im selben Moment verbrauchen, fällt nicht darunter. Wer an sonnigen Mittagen Verbraucher laufen lässt, nutzt also mehr von der Erzeugung. Ob eine Begrenzung bei Ihrer Anlage eingestellt ist, zeigen die Einstellungen des Wechselrichters, im Zweifel fragen Sie den Errichter. Den Hintergrund erklärt der Beitrag zum Solarspitzengesetz.
Ein verwandter Denkfehler: Ein Speicher, der mittags lädt, senkt die Einspeisung, nicht die Erzeugung. Prüfen Sie in der App deshalb die Erzeugung der Module, nicht den Einspeisezähler.
Verschattung: kleiner Schatten, großer Verlust
Schatten wirkt stärker, als die Fläche vermuten lässt. Die Verbraucherzentrale schreibt: „Auch wenn nur wenige Prozent eines Moduls verschattet sind, kann dies die Leistung um mehr als 50 Prozent reduzieren.“
Sinkt der Ertrag über die Jahre langsam, lohnt der Blick nach draußen. Typische neue Schattenquellen sind ein gewachsener Baum, ein Anbau beim Nachbarn oder eine neue Antenne auf dem eigenen Dach. Erkennbar ist das an einem Einbruch der Kurve, der jeden sonnigen Tag zur gleichen Uhrzeit auftritt und mit dem Sonnenstand wandert. Ob Optimierer in so einem Fall helfen, beschreibt der Beitrag zu Verschattung und Optimierern.
Verschmutzung und die monatliche Sichtprüfung
Neben Schatten nennt die Verbraucherzentrale die Verschmutzung der Module als Umwelteinfluss auf den Ertrag. Laub, Vogelkot oder Moos an der unteren Modulkante sieht man oft schon vom Boden aus.
Die DGUV Information 203-080 nennt als Aufgabe des Betreibers eine monatliche Sichtprüfung der Generatorfläche auf offensichtliche Mängel wie herunterhängende Module, Modulklammern, Montagegestellteile oder PV-Leitungen. Unser Rat: vom Garten oder Dachfenster aus, mit Fernglas oder Handykamera. Steigen Sie nicht selbst aufs Dach, die DGUV warnt bei Reinigung und Schneeräumen ausdrücklich vor Absturz- und Durchsturzgefahr. Wann eine Reinigung den Ertrag tatsächlich hebt, steht im Ratgeber Photovoltaik reinigen.
Ein String fehlt: das Muster in der App
Module sind in Strings in Reihe geschaltet. Fällt ein String aus, etwa durch einen gelösten Steckverbinder, produziert die Anlage weiter, aber dauerhaft weniger. Das Tückische: Die Anlage meldet sich nicht unbedingt mit einer Störung, die Kurve hat einfach eine geringere Höhe als früher an vergleichbaren Tagen.
Zeigt Ihre App Werte je String oder je MPP-Tracker, vergleichen Sie diese an einem klaren Tag. Liegt ein Eingang nahe null, während die anderen normal arbeiten, ist das ein klarer Hinweis für die Fachkraft. Selbst an Steckern oder Leitungen zu ziehen ist tabu: Module liefern bei Tageslicht Gleichspannung, und DC-Steckverbinder dürfen laut DGUV nicht unter Last getrennt werden.
Wechselrichter zeigt wenig Leistung
Der Wechselrichter ist die Stelle, an der Sie den Zustand der Anlage ablesen. Die DGUV nennt die tägliche Kontrolle der Betriebsanzeige als Aufgabe des Betreibers. Das Analysieren von Fehlermeldungen und geeignete Maßnahmen weist sie dagegen der Elektrofachkraft zu.
Zeigt das Gerät eine Fehlermeldung, null Leistung bei Sonne oder startet es immer wieder neu, liegt das Problem eher am Gerät als an den Modulen. Was dann zu tun ist und wer den Austausch zahlt, beschreibt der Beitrag Wechselrichter defekt. Elektrische Messungen an der Gesamtanlage wiederholt laut DGUV die Elektrofachkraft im Intervall von vier Jahren. Die Verbraucherzentrale empfiehlt eine Prüfung von Sicherheit und Funktion durch eine Fachperson spätestens alle fünf Jahre.
Gewährleistung: vor Ablauf von fünf Jahren prüfen
Die Verbraucherzentrale nennt für Solarstromanlagen üblicherweise eine Gewährleistungsfrist von fünf Jahren, in der das Verkaufsunternehmen für Sachmängel haftet. Ihr Rat: am besten schon vor Ablauf prüfen, ob die Anlage ihre volle Leistungsfähigkeit hat, mängelfrei installiert wurde und die versprochenen Erträge bringt.
Für eine Reklamation brauchen Sie Daten, keine Eindrücke. Sichern Sie Monatserträge der letzten Jahre als Export oder Screenshot, notieren Sie Fehlermeldungen mit Datum und legen Sie die Ertragsprognose aus dem Angebot daneben.
Ein typisches Szenario aus der Praxis
Ein Betreiber meldet, seine Anlage bringe seit dem Frühjahr spürbar weniger. Die Monatswerte liegen tatsächlich unter dem Vorjahr, die Tageskurven an klaren Tagen sind aber glatt und ohne Einbruch, nur niedriger. Ein Blick auf die Werte je Eingang zeigt: Ein String liefert nichts. Eine Fehlermeldung gab es nie, deshalb fiel es erst an der Jahresbilanz auf.
Die Lehre aus der Praxis von über 2.000 Anlagen in NRW: Wer einmal im Monat die Kurve eines sonnigen Tages mit dem Vorjahr vergleicht, findet so einen Ausfall nach Wochen statt nach Monaten. Bei Anlagen, die Turn Solar realisiert hat, koordiniert das Service-Team die Fehlersuche und klärt, ob Gewährleistung oder Garantie greift.
Quellen
- Verbraucherzentrale: Photovoltaik, was bei der Planung einer Solaranlage wichtig ist, abgerufen am 05. Oktober 2026
- Verbraucherzentrale: Steckersolar, Solarstrom vom Balkon direkt in die Steckdose (Abschnitt Verschattung), abgerufen am 05. Oktober 2026
- PVGIS (Gemeinsame Forschungsstelle der EU-Kommission): Ertragsberechnung Düsseldorf, 1 kWp, 35 Grad, Süd, 14 % Systemverluste, abgerufen am 05. Oktober 2026
- PVGIS: Photovoltaic Geographical Information System, abgerufen am 05. Oktober 2026
- § 9 EEG 2023, Technische Vorgaben, abgerufen am 05. Oktober 2026
- § 100 EEG 2023, Übergangsbestimmungen (Abs. 3a und 3b), abgerufen am 05. Oktober 2026
- DGUV Information 203-080: Montage und Instandhaltung von Photovoltaik-Anlagen, abgerufen am 05. Oktober 2026
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