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KfW 270 Photovoltaik-Kredit: Antrag, Anlaufjahre und vier teure Fehler

Von Melih Coskun, Energieberater bei Turn Solar21. Oktober 20268 Min. Lesezeit

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Der Zuschuss ist weg, der Kredit bleibt

Auf der Produktseite des früheren Zuschusses 442 steht der Satz, der alle Fragen beantwortet: „Diesen Zuschuss können Sie nicht mehr beantragen.“ Für alle, die 2026 Module und Speicher kaufen wollen, ist damit kein entsprechendes Bundes-Zuschussprogramm mehr offen. Übrig ist ein Kredit: das Programm 270, für das die KfW den Förderzweck mit dem Satz beschreibt, finanziert würden „Anlagen zur Erzeugung von Strom und Wärme sowie Netze und Speicher“.

Unter dieses Dach passt mehr, als der Name Photovoltaik-Kredit vermuten lässt. Dachanlagen und Fassaden, Freiflächen, Batteriespeicher, Wärmepumpen, Solarthermie und auch Maßnahmen zur Digitalisierung, die die KfW als Lastmanagement und als Mess- und Steuerungssysteme führt.

Was der Kredit hergibt

Die Eckdaten stehen auf der Produktseite:

PunktRegelung
Anteil an den Investitionskostenbis zu 100 Prozent
Kreditbetragbis zu 150 Millionen Euro pro Vorhaben
Mindestbetragkeiner
Vergabeüber einen Finanzierungspartner, nicht direkt über die KfW
Einspeisung (für Privatpersonen)ein Teil des erzeugten Stroms oder der Wärme muss eingespeist werden

Die Kombination aus „bis zu 100 Prozent“ und „kein Mindestbetrag“ ist der eigentliche Punkt. Für eine private Dachanlage mit Speicher lässt sich das Vorhaben vollständig über den Kredit abbilden, und Sie müssen keine bestimmte Summe erreichen, um überhaupt antragsberechtigt zu sein. Die KfW schreibt dazu aber selbst, dass sie eigene Mittel empfiehlt: „Ihre Bonität wird vom Finanzierungspartner in der Regel besser eingestuft, wenn Sie zumindest einen Teil aus eigenen Mitteln finanzieren können. Dies hat einen positiven Effekt auf den Zinssatz.“ Wer ohne Eigenkapital rechnet, zahlt diesen Effekt über den Zins.

Was hineinpasst und was nicht:

VorhabenKfW 270
Photovoltaik auf Dach, Fassade oder Freiflächeförderfähig
Batteriespeicherförderfähig
Wärmepumpe, Solarthermieförderfähig
gebrauchte Photovoltaikanlageförderfähig, laut KfW ausdrücklich
Balkonkraftwerk, Steckeranlagenicht förderfähig
Anlage ohne jede Einspeisungnicht förderfähig

Wichtig ist der letzte Punkt. Die KfW schreibt: „Balkonkraftwerke und Steckeranlagen sind nicht förderfähig“, und begründet das damit, dass sie „nicht darauf ausgelegt“ sind, „den Strom ins öffentliche Netz einzuspeisen“. Daraus folgt: Eine große Dachanlage, die bewusst als Inselanlage ohne Netzanschluss gebaut wird, erfüllt dieselbe Bedingung nicht.

Die Einspeisebedingung entscheidet über den Antrag

Für Privatpersonen ist die Bedingung in einem Satz formuliert: „Sie müssen zumindest einen Teil des erzeugten Stroms oder der erzeugten Wärme einspeisen.“ In den Fragen und Antworten der Produktseite wird daraus: „Sie sind als Privatperson antragsberechtigt, wenn Sie einen Teil des erzeugten Stroms einspeisen oder verkaufen.“

Zwei Klarstellungen stehen direkt daneben. Erstens ist ein Einspeisevertrag nicht erforderlich, es reicht also ein normaler Netzanschluss mit Überschusseinspeisung. Zweitens geht es um einen Teil, nicht um alles. Wer die Anlage auf Eigenverbrauch auslegt und den Rest einspeist, erfüllt die Bedingung. Wer die Einspeisung technisch abschaltet, um sich Papierkram zu sparen, fällt aus dem Programm.

Der Antrag muss vor dem Kaufvertrag stehen

Die KfW vergibt den Kredit nicht selbst. Auf der Produktseite steht: „Ihren Kredit beantragen Sie bei einem Finanzierungspartner und nicht direkt bei der KfW.“ Und weiter: „Beantragen Sie Ihren Förderkredit bei Ihrem Finanzierungspartner, bevor Sie mit Ihrem Vorhaben beginnen.“

Was „beginnen“ heißt, beantwortet die KfW in ihren Fragen und Antworten: „Den Antrag stellen Sie bei einem Kreditinstitut Ihrer Wahl, bevor Sie mit Ihrem Vorhaben beginnen“, und das bedeutet, bevor Sie „einen rechtlich bindenden Vertrag eingehen, zum Beispiel einen Kaufvertrag“.

Das ist der teuerste Fehler im ganzen Verfahren, und er entsteht nicht aus Nachlässigkeit, sondern aus der Reihenfolge im Projekt. So sieht er aus: Ein Haushalt in Bochum lässt sich ein Angebot für elf Kilowatt und einen Speicher geben und unterschreibt, weil die Handwerkertermine knapp sind. Die Bank kommt erst danach ins Spiel. Zu diesem Zeitpunkt ist der Vorhabenbeginn überschritten, das Angebot ist ohne Kredit zu bezahlen oder über ein teureres Privatdarlehen zu finanzieren. Ein Gespräch mit der Hausbank vor der Unterschrift hätte einen Anruf und ein paar Tage Wartezeit gekostet.

In der Praxis heißt das: Angebot einholen, mit der Bank sprechen, Antrag stellen, dann unterschreiben. Die Reihenfolge ist keine Formalie, sie entscheidet über die Förderfähigkeit des gesamten Vorhabens.

Laufzeit und tilgungsfreie Anlaufjahre

Die KfW staffelt die tilgungsfreie Anlaufzeit nach der Laufzeit:

Gesamtlaufzeittilgungsfrei möglich
5 Jahrebis 1 Jahr
10 Jahrebis 2 Jahre
15 Jahrebis 3 Jahre
20 Jahrebis 3 Jahre
30 Jahrebis 5 Jahre

Dazu nennt die Produktseite eine Mindestlaufzeit von zwei Jahren und eine Zinsbindung von bis zu 20 Jahren. Bei der 30-Jahres-Variante gilt eine Zinsbindung von bis zu zehn Jahren.

Der Zinssatz steht nirgends, und das ist kein Versehen

Wer die Produktseite öffnet und nach einer Zahl sucht, findet keine. Im Konditionenblock steht beim Zinssatz „ab -,-- % effektivem Jahreszins“, und die Felder der Konditionentabelle zeigen „-,-- % - -,-- %“. Den individuellen Satz legt der Finanzierungspartner fest, nach Bonität und Sicherheiten. Das Programm ist damit kein Festpreisprodukt, sondern eine Art Rahmen, den die Bank mit ihren eigenen Konditionen füllt.

Unser Take dazu: Ein Förderkredit ohne genannten Zins ist kein Preisschild, sondern eine Verhandlung. Zwei Angebote für dasselbe Vorhaben können unterschiedlich ausfallen, und über 20 Jahre ist jede Differenz echtes Geld. Wer nur eine Bank fragt, fragt zu wenig. Ein Vergleich von zwei oder drei Finanzierungspartnern kostet zwei Telefonate.

Was drei tilgungsfreie Jahre wirklich kosten

Die Anlaufjahre fühlen sich an wie ein Geschenk, sind aber eine Verschiebung. In den ersten Jahren zahlen Sie nur Zinsen und tilgen nichts, danach verteilt sich dieselbe Restschuld auf weniger Jahre, die Rate steigt.

Eigene Rechnung, 20.000 Euro Kredit, 20 Jahre Gesamtlaufzeit, 3 Jahre tilgungsfrei, danach Annuität über 17 Jahre. Die Zinsen laufen im Anlauf weiter, getilgt wird nichts:

Sollzins (Annahme)Rate ab Jahr 4Zinsen gesamtZinsen ohne Anlaufjahre
3,0 Prozent125 Euro7.356 Euro6.621 Euro
4,0 Prozent135 Euro9.997 Euro9.087 Euro
5,0 Prozent146 Euro12.729 Euro11.678 Euro

Die Anlaufjahre kosten je nach Zins zwischen 735 und 1.051 Euro zusätzliche Zinsen. Dafür ist die Rate in den ersten drei Jahren deutlich kleiner, bei vier Prozent sind es 67 Euro im Monat statt 121 Euro. Für Haushalte, die im ersten Jahr nach dem Einzug oder nach einer Elternzeit knapp aufgestellt sind, kann das den Unterschied machen. Für alle anderen ist es ein Zusatzpreis für Liquidität, den man bewusst zahlen sollte.

Das sind Modellzahlen, keine KfW-Konditionen. Der tatsächliche Zins steht im Angebot Ihrer Bank, und die Annuität hängt an Laufzeit und Zinsbindung. Die KfW selbst rechnet mit gleich hohen vierteljährlichen Raten, die Tabelle zeigt Monatsbeträge, damit sie mit Ihrer Stromrechnung vergleichbar bleiben. Die Größenordnung zeigt aber, worüber Sie entscheiden, wenn Sie „tilgungsfrei“ ankreuzen.

Was der Kredit nicht löst

Drei Dinge bleiben außen vor, egal wie gut die Finanzierung sitzt.

Erstens ist 270 ein Kredit, kein Zuschuss. Jeder Euro wird zurückgezahlt, plus Zinsen. Wer die Anlage aus Ersparnissen finanzieren kann, sollte die Zinslast gegen die entgangene Verzinsung des Ersparten rechnen, statt reflexhaft zu finanzieren.

Zweitens senkt der Nullsteuersatz den Betrag, den Sie überhaupt finanzieren müssen. Nach § 12 Abs. 3 UStG fallen auf Solarmodule, die für den Betrieb wesentlichen Komponenten und den Speicher 0 Prozent Umsatzsteuer an, ebenso auf deren Installation. Die Voraussetzungen gelten als erfüllt, wenn die installierte Bruttoleistung laut Marktstammdatenregister nicht mehr als 30 Kilowatt (peak) beträgt. Auf einer Rechnung über 20.000 Euro netto steht damit keine Umsatzsteuer, der Kreditbedarf sinkt entsprechend. Details stehen im Ratgeber Steuern und Mehrwertsteuer.

Drittens bleibt der laufende Ertrag steuerfrei, ohne dass Sie dafür einen Antrag stellen: § 3 Nr. 72 EStG befreit Einnahmen und Entnahmen aus dem Betrieb von Photovoltaikanlagen, die auf, an oder in Gebäuden einschließlich Nebengebäuden vorhanden sind, wenn die installierte Bruttoleistung laut Marktstammdatenregister bis zu 30 Kilowatt (peak) je Wohn- oder Gewerbeeinheit und insgesamt höchstens 100 Kilowatt (peak) pro Steuerpflichtigem oder Mitunternehmerschaft beträgt. Auch das ist keine Förderung, sondern eine Entlastung, und sie gilt unabhängig davon, ob Sie finanzieren oder kaufen.

Wann KfW 270 die falsche Wahl ist

Es gibt drei Konstellationen, in denen das Programm nicht weiterhilft.

Wenn die Kommune oder das Land einen Zuschuss zahlt, ist ein Zuschuss in der Regel besser als ein Kredit, weil er nicht zurückgezahlt wird. Wie Sie offene Programme finden, steht im Beitrag zu kommunalen Förderprogrammen. Ob sich 270 und ein kommunaler Zuschuss für dasselbe Vorhaben vertragen, regelt die Produktseite nicht, das müssen Sie vor dem Antrag klären.

Wenn das Vorhaben schon begonnen hat, ist der Drops gelutscht. Kein Antrag, kein Kredit, auch nicht rückwirkend.

Wenn Sie den Kredit nur nehmen, weil er „günstig klingt“, ohne die Rate gegen Ihre Stromersparnis zu rechnen, ist die Finanzierung Selbstzweck. Ein Programm, das 100 Prozent finanziert, finanziert auch eine zu große Anlage.

Wie wir an die Reihenfolge herangehen

In unserer Praxis steht die Auslegung vor der Finanzierung, nicht danach. Aus 2.000+ realisierten Photovoltaik-Projekten in NRW und 400+ Wärmepumpen-Projekten wissen wir, welche Anlagengröße zu einem Verbrauchsprofil passt. Erst wenn Dachbelegung, Speichergröße und Eigenverbrauchsanteil stehen, hat die Bank eine Zahl, mit der sie arbeitet.

Wer beides umdreht und zuerst den Kreditrahmen festlegt, baut am Ende die Anlage, die in den Rahmen passt. Der Rahmen sollte der Anlage folgen. Was 2026 sonst noch an Bausteinen offen ist, steht im Überblick zur Photovoltaik-Förderung 2026, und warum der frühere Paketzuschuss für Wallbox, Speicher und Anlage geschlossen ist, erklärt der Beitrag zu KfW 442.

Quellen

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