← Zurück zum Blog

Lohnt sich Photovoltaik 2026? Rendite, Amortisation & EEG-Reform

Turn Solar Team04. August 20269 Min. Lesezeit
Einfamilienhaus mit Photovoltaikanlage — schlüsselfertig projektiert durch Turn Solar

Photovoltaik lohnt sich 2026 — nicht wegen der Einspeisevergütung, sondern wegen des Stroms, den Sie nicht mehr kaufen müssen. Jede selbst verbrauchte Kilowattstunde vom eigenen Dach spart 33 bis 37 Cent Strombezugskosten. Eingespeister Strom bringt 7,70 Cent. Die Differenz von rund 25 Cent pro kWh ist der Hebel, der eine PV-Anlage in 8 bis 12 Jahren amortisiert — bei einer technischen Lebensdauer von 30 Jahren und mehr. Die EEG-Reform 2027, die ab Januar die feste Einspeisevergütung für Neuanlagen durch ein Direktvermarktungsmodell ersetzt, ändert an dieser Grundrechnung wenig. Der Eigenverbrauch war schon immer der wirtschaftliche Motor — das EEG war das Sahnehäubchen, nicht der Kuchen.

Die Frage ist nicht mehr ob sich Photovoltaik lohnt, sondern unter welchen Bedingungen sie sich am schnellsten rechnet. Dieser Artikel geht die drei Stellschrauben durch, die die Rendite bestimmen: Eigenverbrauchsquote, Anlagengröße und die Entscheidung für oder gegen einen Speicher.

PV-Module auf dem Dach eines Einfamilienhauses — fachgerecht verlegte Anlage
PV-Module auf dem Dach eines Einfamilienhauses — fachgerecht verlegte Anlage

Was die EEG-Reform 2027 für Neuanlagen bedeutet

Am 1. Januar 2027 endet das alte EEG-Vergütungsmodell für neue Photovoltaikanlagen. Wer bis zum 31. Dezember 2026 eine Anlage in Betrieb nimmt, bekommt noch die garantierte Einspeisevergütung für 20 Jahre — zu den Sätzen, die seit dem 1. August 2026 gelten:

AnlagengrößeÜberschusseinspeisungVolleinspeisung
bis 10 kWp7,70 ct/kWh12,22 ct/kWh
10–40 kWp6,66 ct/kWh10,24 ct/kWh
40–100 kWp5,44 ct/kWh10,24 ct/kWh

Für Neuanlagen ab 2027 gilt: Statt der 20-jährigen Festvergütung gibt es eine Übergangsvergütung von 5,20 Cent pro kWh für 36 Monate — für Anlagen unter 25 kW, die vor dem 1. Januar 2029 ans Netz gehen. Danach ist die Direktvermarktung Pflicht: Der Strom wird an der Börse verkauft, ein Bonus von 1,5 Cent pro kWh kommt obendrauf. Voraussetzung sind ein Smart Meter, ein Batteriespeicher und eine steuerbare Anlagensteuerung.

Die Branche ist gespalten. Der BSW-Solar warnt vor „massiver Investitionszurückhaltung" und nennt die Übergangsvergütung eine „Mogelpackung". Jannik Schall von 1Komma5° hält dagegen: Die Reform sei „tatsächlich eine riesige Chance", weil intelligent gesteuerte Speicher in der Direktvermarktung mehr Erlös erzielen können als das alte EEG-Modell.

Für Sie als Hauseigentümer läuft die Rechnung auf eine simple Frage hinaus: Bauen Sie 2026 noch und sichern sich die 20-jährige Vergütungsgarantie — oder warten Sie und setzen auf die Direktvermarktung? Die Antwort hängt davon ab, wie viel Strom Sie selbst verbrauchen. Denn die Einspeisevergütung war nie der Hauptgrund, warum sich PV lohnt.

Die Zahlen: So rechnet sich eine PV-Anlage 2026

Rechnen wir ein typisches Einfamilienhaus mit 10 kWp und 4.500 kWh Jahresverbrauch:

Ohne Speicher:

  • Anschaffungskosten: 15.000 € (1.500 €/kWp, schlüsselfertig)
  • Jahresertrag: 9.500 kWh (950 kWh/kWp in NRW)
  • Eigenverbrauch (30 %): 2.850 kWh → Ersparnis bei 35 ct/kWh: 998 €/Jahr
  • Einspeisung (70 %): 6.650 kWh → Erlös bei 7,70 ct/kWh: 512 €/Jahr
  • Jährlicher Ertrag gesamt: 1.510 €
  • Amortisation: ~10 Jahre
  • Rendite über 25 Jahre (IRR): ~9 %

Mit 10-kWh-Speicher:

  • Anschaffungskosten: 22.000 € (PV 15.000 € + Speicher 7.000 €)
  • Eigenverbrauch (65 %): 6.175 kWh → Ersparnis: 2.161 €/Jahr
  • Einspeisung (35 %): 3.325 kWh → Erlös: 256 €/Jahr
  • Jährlicher Ertrag gesamt: 2.417 €
  • Amortisation: ~12 Jahre
  • Rendite über 25 Jahre (IRR): ~7 %

Die Amortisationszeit mit Speicher ist länger, aber die jährliche Ersparnis ist höher. Über die gesamte Lebensdauer von 30 Jahren schneiden beide Varianten ähnlich ab. Der Speicher lohnt sich vor allem, wenn der Strompreis stärker steigt als angenommen — jede Cent-Steigerung verbessert die Speicher-Rechnung um etwa 60 Euro pro Jahr.

Wechselrichter und Batteriespeicher — das technische Zentrum einer PV-Anlage
Wechselrichter und Batteriespeicher — das technische Zentrum einer PV-Anlage

Die Rechnung zeigt auch: Nicht die Einspeisevergütung treibt die Rendite. Selbst wenn sie auf null fiele, läge die Amortisation der 10-kWp-Anlage ohne Speicher bei etwa 14 Jahren. Die Einspeisevergütung macht in diesem Beispiel 512 Euro von 1.510 Euro Jahresertrag aus — ein Drittel. Bei der Variante mit Speicher sind es sogar nur 256 Euro von 2.417 Euro, also knapp über 10 Prozent.

Drei Faktoren, die über „lohnt sich" entscheiden

1. Die Eigenverbrauchsquote

Sie ist der mit Abstand wichtigste Hebel. Wer tagsüber Strom verbraucht — Homeoffice, Wärmepumpe, E-Auto laden — kommt ohne Speicher auf 30 bis 40 Prozent Eigenverbrauch. Wer abends und nachts den meisten Strom zieht, braucht entweder einen Speicher oder eine Ost-West-Auslegung, die morgens und nachmittags mehr produziert als eine reine Süd-Anlage.

PV lohnt sich fast immer. Aber wie sehr sie sich lohnt, entscheidet die Frage: Wann läuft bei Ihnen die Waschmaschine?

2. Der Zustand des Zählerschranks

Das ist der Rendite-Killer, den kein Online-Rechner zeigt. Ist der Zählerschrank älter als 20 Jahre, muss er vor dem Netzanschluss fast immer erneuert werden — Kosten: 1.500 bis 3.000 Euro. Eine strukturierte Vorab-Prüfung mit Fotos vom Zählerschrank und der Hauptverteilung klärt das, bevor das Angebot steht.

Wir hatten letztens eine Familie in Düsseldorf, die parallel bei einem Online-Anbieter einen Sofortpreis von 18.900 Euro bekam — „alles inklusive". Unsere Foto-Dokumentation zeigte sofort, was der Algorithmus nicht kann: Zählerschrank Baujahr 1978, muss komplett neu. Unser Festpreis-Angebot: 21.400 Euro inklusive Schrank-Erneuerung. Der Online-Anbieter schickte zehn Tage vor dem Montagetermin eine Nachforderung von 3.200 Euro. Die Familie hat dort storniert. Der Unterschied zwischen einem seriösen digitalen Workflow und einem Lockvogel-Konfigurator ist nicht der Vor-Ort-Termin — es ist, was abgefragt wird, bevor der Preis genannt wird.

3. Volleinspeisung oder Überschusseinspeisung

Volleinspeisung bringt 12,22 Cent pro kWh, Überschusseinspeisung nur 7,70 Cent. Das klingt nach einem klaren Vorteil für Volleinspeisung — aber nur, wenn Sie den Strom nicht selbst brauchen. Sobald Sie auch nur 30 Prozent des Stroms selbst verbrauchen, liegt der Misch-Erlös aus Eigenverbrauch (35 Cent gespart) plus Überschusseinspeisung (7,70 Cent für den Rest) über dem reinen Volleinspeisungs-Erlös. Volleinspeisung lohnt sich nur auf Dächern, auf denen niemand wohnt — Scheune, Garage, Gewerbedach.

Mit oder ohne Speicher — was lohnt sich mehr?

Die kurze Antwort: Ein Speicher verbessert die Wirtschaftlichkeit einer PV-Anlage kaum — aber er verändert, wann Sie den Strom nutzen. Ohne Speicher verbrauchen Sie Solarstrom, wenn die Sonne scheint. Mit Speicher verbrauchen Sie ihn, wenn Sie ihn brauchen.

Die lange Antwort in drei Szenarien:

  • Niedriger Tagesverbrauch, hoher Abendverbrauch (Familie mit Kindern, beide berufstätig): Speicher lohnt sich. Ohne Speicher liegt der Eigenverbrauch unter 25 Prozent, mit Speicher steigt er auf 55 bis 65 Prozent.
  • Hoher Tagesverbrauch (Homeoffice, Wärmepumpe, E-Auto tagsüber ladend): Speicher bringt weniger Mehrwert. Der Eigenverbrauch liegt schon ohne Speicher bei 40 bis 50 Prozent. Der Speicher hebt ihn auf 70 bis 80 Prozent — aber der Zugewinn ist kleiner, weil die Basis schon hoch ist.
  • Rendite-maximierend ohne Speicher, Autarkie-maximierend mit Speicher: Wer rein auf Euro pro investiertem Kapital schaut, fährt ohne Speicher meist besser. Wer Wert auf Unabhängigkeit vom Strompreis legt, nimmt den Speicher mit.

Die Faustregel: 1 bis 1,5 kWh Speicherkapazität pro kWp PV-Leistung. Mehr braucht kein Einfamilienhaus — darüber steigt der Eigenverbrauch kaum noch, aber die Anschaffungskosten steigen linear weiter.

PV-Module in der Detailansicht — moderne TOPCon-Technologie
PV-Module in der Detailansicht — moderne TOPCon-Technologie

„Photovoltaik lohnt sich nicht" — die häufigsten Gegenargumente im Faktencheck

„Die Einspeisevergütung sinkt doch ständig." Stimmt — sie sinkt halbjährlich um etwa 1 Prozent. Aber wie oben gezeigt: Die Einspeisevergütung macht bei den meisten Anlagen weniger als ein Drittel des Ertrags aus. Der Eigenverbrauch ist der entscheidende Posten. Solange Netzstrom mehr als 30 Cent kostet, spart jede selbst verbrauchte Kilowattstunde ein Vielfaches der Einspeisevergütung — und daran wird sich auch 2027 nichts ändern.

„Nach 20 Jahren fällt die Vergütung weg." Richtig. Aber nach 20 Jahren ist die Anlage längst abbezahlt — und produziert weitere 10 bis 15 Jahre Strom zu Grenzkosten von null. Die Module selbst haben dann vielleicht noch 80 Prozent ihrer Nennleistung, brauchen aber weder Brennstoff noch nennenswerte Wartung. Ein abbezahltes Solardach ist eine der wenigen Geldanlagen, die mit dem Alter nicht schlechter, sondern besser wird.

„Die Module altern und verlieren Leistung." Die Degradation moderner Module liegt bei 0,3 bis 0,5 Prozent pro Jahr. Nach 25 Jahren liefern sie noch 85 bis 90 Prozent der ursprünglichen Leistung. Das ist in den Rechenbeispielen oben bereits eingerechnet.

„Wenn der Strompreis fällt, rechnet sich die Anlage nicht mehr." Der Strompreis müsste von aktuell 33 bis 37 Cent auf unter 15 Cent fallen, damit die Rechnung kippt. Das ist in Deutschland auf absehbare Zeit unrealistisch — Netzentgelte, Umlagen und CO₂-Preise steigen strukturell, nicht fallend. Zwischen 2000 und 2025 hat sich der Haushaltsstrompreis mehr als verdoppelt. Eine Trendumkehr müsste man erklären können — und gegen diesen Trend wetten Sie, wenn Sie auf fallende Strompreise spekulieren.

Der eine kontroverse Punkt: Die Einspeisevergütung war nie der Grund

Hier ist der Take, der in der Branche ungern ausgesprochen wird: Die Einspeisevergütung hat in den letzten fünf Jahren nicht darüber entschieden, ob sich eine neue PV-Anlage lohnt. Sie war ein willkommener Zuschlag — 500 bis 800 Euro pro Jahr bei einer typischen 10-kWp-Anlage. Aber die Rendite kam immer aus dem Strom, den der Hauseigentümer nicht mehr vom Netzbetreiber kaufen musste.

Das war 2020 schon so, als die Einspeisevergütung noch bei über 9 Cent lag und der Strompreis bei 30 Cent. Es ist 2026 noch deutlicher, bei 7,70 Cent Einspeisung und 35 Cent Strompreis. Und es wird 2027 nicht anders sein, wenn die Übergangsvergütung auf 5,20 Cent sinkt — solange Netzstrom mehr als 30 Cent kostet.

Die Leute, die seit Monaten warnen, Photovoltaik lohne sich wegen der EEG-Reform nicht mehr, haben entweder nicht nachgerechnet oder verdienen daran, dass Sie jetzt schnell noch unterschreiben. Beides sind keine guten Ratgeber.

Das bedeutet nicht, dass Sie bis 2029 warten sollten. Die 20-jährige Vergütungsgarantie für 2026er-Anlagen ist ein realer Vorteil — etwa 10.000 Euro gesicherte Einspeiseerlöse über zwei Jahrzehnte, die Sie bei einer 2027er-Anlage nicht haben. Aber sie ist nicht der Grund, warum Sie bauen. Der Grund ist der Strom, den Sie nicht mehr kaufen müssen. Und der wird mit jedem Jahr teurer.


Häufige Fragen zur Wirtschaftlichkeit von Photovoltaik

Was bringt mehr Rendite — PV oder Geldanlage?

Eine 10-kWp-Anlage für 15.000 Euro, die jährlich 1.500 Euro Stromkosten spart, liefert 10 Prozent Rendite pro Jahr auf das eingesetzte Kapital. Ein Aktien-ETF bringt im langjährigen Schnitt 7 Prozent — vor Steuern und mit Volatilität. Eine PV-Anlage produziert planbare Erträge, die man nicht versteuern muss (seit 2023 sind PV-Anlagen unter 30 kWp von der Einkommensteuer befreit), und deren Wert mit dem Strompreis steigt. Als inflationsgeschützte, steuerfreie Anlage mit zweistelliger Rendite ist ein Solardach schwer zu schlagen.

Lohnt sich Photovoltaik mit Wärmepumpe?

Eine Wärmepumpe verbraucht 3.000 bis 6.000 kWh Strom pro Jahr — je nach Gebäude und Heizverhalten. Wenn dieser Strom vom eigenen Dach kommt, spart das bei 35 Cent Bezugspreis 1.050 bis 2.100 Euro pro Jahr allein für die Heizung. PV plus Wärmepumpe ist die wirtschaftlich stärkste Kombination, die Sie als Hauseigentümer 2026 bauen können. Die Wärmepumpe erhöht den Eigenverbrauch massiv und macht den Speicher fast überflüssig — weil sie auch im Winter tagsüber läuft, wenn die PV-Anlage zumindest einen Teil des Stroms liefert.

Kann ich meine PV-Anlage nach 20 Jahren noch weiterbetreiben?

Ja. Nach Ablauf der EEG-Vergütung können Sie die Anlage weiterbetreiben und den Strom entweder selbst verbrauchen, direkt vermarkten oder den Wechselrichter tauschen und ein neues System auf den vorhandenen Modulen aufbauen. Die Module selbst funktionieren nach 20 Jahren in der Regel noch mit 85 bis 90 Prozent der Nennleistung. Ein Weiterbetrieb über 30 Jahre hinaus ist technisch möglich — die Unterkonstruktion und Verkabelung halten bei fachgerechter Montage noch länger.

Kostenlose Beratung, vor Ort in NRW

Wir prüfen Ihr Dach, rechnen den Ertrag und nennen Ihnen einen Festpreis. Unverbindlich.

Beratungstermin buchen