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Ölheizung umrüsten auf Wärmepumpe: Kosten, Förderung & Ablauf 2026

Turn Solar Team28. Juli 20267 Min. Lesezeit
Moderne Wohnarchitektur — der Umstieg von Öl auf Wärmepumpe rechnet sich für die meisten Einfamilienhäuser in NRW innerhalb von 8 bis 12 Jahren
Foto: Vladimir Srajber / Pexels

Sie können Ihre Ölheizung durch eine Wärmepumpe ersetzen — und es ist in den meisten Fällen wirtschaftlich sinnvoll, das 2026 zu tun. Die Kosten vor Förderung liegen je nach Gebäude und Umfeldmaßnahmen zwischen 27.000 und 40.000 Euro, nach BEG-Förderung bleiben oft nur 5.600 bis 20.000 Euro Eigenanteil. Ausschlaggebend sind drei Dinge: der CO₂-Preis, der Heizöl dieses Jahr um rund 3 Cent pro Liter verteuert, die Förderkulisse mit bis zu 80 Prozent Zuschuss und der Umstand, dass jede Minute, die Ihre Ölheizung noch läuft, echtes Geld verbrennt.

Was der Umstieg 2026 wirklich kostet

Die Preisspanne für eine Luft-Wasser-Wärmepumpe als Ölheizungsersatz ist breit — und das aus gutem Grund. Kein Haus gleicht dem anderen, und die Kosten hängen an Faktoren, die ein Online-Sofortpreis-Rechner nicht kennt.

Ein typisches Einfamilienhaus mit 140 Quadratmetern Wohnfläche, Baujahr zwischen 1970 und 1990, liegt vor Förderung bei rund 30.000 bis 35.000 Euro. Darin stecken das Wärmepumpengerät selbst (etwa 8.000 bis 14.000 Euro je nach Leistung und Hersteller), die Demontage und Entsorgung des alten Ölkessels und des Tanks (500 bis 2.500 Euro), der hydraulische Abgleich, gegebenenfalls einzelne neue Heizkörper, die Elektroinstallation und die Inbetriebnahme.

Rostige Öltanks unter blauem Himmel: Die Entsorgung des alten Öltanks gehört zu den Umfeldmaßnahmen, die mit der BEG-Förderung bezuschusst werden
Rostige Öltanks unter blauem Himmel: Die Entsorgung des alten Öltanks gehört zu den Umfeldmaßnahmen, die mit der BEG-Förderung bezuschusst werden

Teurer wird es bei einer Sole-Wärmepumpe mit Erdbohrung — die liegt schnell 10.000 bis 15.000 Euro über der Luft-Wasser-Variante, weil Bohrung und Kollektoren allein vier- bis fünfstellig kosten. Dafür arbeitet sie im Jahresmittel effizienter. Die Frage ist, ob sich der Aufpreis über die Betriebskosten wieder einfährt. Bei einem gut gedämmten Haus mit niedriger Vorlauftemperatur: selten.

Und dann gibt es die versteckten Kosten, die seriöse Angebote von Lockvogel-Preisen unterscheiden. Der Zählerschrank muss eventuell erneuert werden (800 bis 2.000 Euro). Der Kabelweg vom Sicherungskasten zum Aufstellort der Außeneinheit kann länger sein als gedacht. Der alte Öltank im Erdreich braucht eine Bodenprobe, bevor er stillgelegt werden darf. Wer diese Posten nicht im Angebot sieht, sieht sie spätestens auf der Nachforderung.

Die monatlichen Kosten: Öl vs. Wärmepumpe im Vergleich

Die monatlichen Kosten einer Wärmepumpe werden oft zu hoch eingeschätzt — und die einer Ölheizung zu niedrig. Rechnen wir ein typisches Einfamilienhaus mit 18.000 kWh Wärmebedarf im Jahr durch.

Eine Ölheizung mit Jahresnutzungsgrad von 85 Prozent verbraucht dafür etwa 2.100 Liter Heizöl. Bei einem Preis von rund 1,05 Euro pro Liter (Stand Sommer 2026, inklusive CO₂-Aufschlag von rund 3 Cent) sind das 2.205 Euro pro Jahr — also etwa 184 Euro im Monat. Dazu kommen Schornsteinfeger, Wartung und die steigende CO₂-Abgabe: 2027 wird der Preis innerhalb eines Korridors von 55 bis 65 Euro pro Tonne weiter marktbasiert bepreist, und die Tendenz zeigt nach oben.

Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe mit einer Jahresarbeitszahl von 3,2 braucht für dieselben 18.000 kWh Wärme etwa 5.625 kWh Strom. Bei einem Wärmepumpen-Stromtarif von rund 24 Cent pro kWh sind das 1.350 Euro im Jahr — monatlich rund 113 Euro. Der monatliche Vorteil liegt bei etwa 70 Euro zugunsten der Wärmepumpe.

Wer zusätzlich eine Photovoltaikanlage auf dem Dach hat, drückt die Stromkosten weiter. An sonnigen Tagen im Winterhalbjahr läuft die Wärmepumpe dann teilweise mit eigenem Solarstrom. Über ein ganzes Jahr gerechnet kann eine 10-kWp-Anlage je nach Ausrichtung 20 bis 30 Prozent des Wärmepumpenstroms decken — das spart noch einmal 250 bis 400 Euro jährlich.

Installation eines Heizungssystems: Die Wärmepumpe arbeitet effizient mit niedrigen Vorlauftemperaturen und spart gegenüber Öl monatlich rund 70 Euro
Installation eines Heizungssystems: Die Wärmepumpe arbeitet effizient mit niedrigen Vorlauftemperaturen und spart gegenüber Öl monatlich rund 70 Euro

Die Förderung 2026: Was am 21. Juli geändert wurde

Die BEG-Heizungsförderung wurde zum 21. Juli 2026 reformiert. Das Wichtigste vorab: Die Förderung ist immer noch hoch, aber sie wird schrittweise abgebaut. Wer noch 2026 umsteigt, sichert sich bessere Konditionen als 2027.

Die maximal förderfähigen Kosten betragen jetzt 28.000 Euro für die erste Wohneinheit (zuvor 30.000 Euro). Ab Februar 2027 sinkt dieser Betrag halbjährlich um weitere 750 Euro. Die Grundförderung liegt unverändert bei 30 Prozent.

Der Einkommensbonus ist jetzt dreistufig gestaffelt und berücksichtigt das zu versteuernde Haushaltseinkommen: 40 Prozent bis 30.000 Euro, 30 Prozent bis 40.000 Euro und 10 Prozent bis 50.000 Euro. Haushalte mit mindestens einem minderjährigen Kind können das Einkommen um pauschal 10.000 Euro reduzieren — das kann eine Bonus-Stufe ausmachen.

Der Klimageschwindigkeitsbonus für den Austausch einer funktionierenden fossilen Heizung beträgt seit Juli 16 Prozent (zuvor 20 Prozent) und sinkt halbjährlich um 4 Prozentpunkte. Der Effizienzbonus für Wärmepumpen und der Emissionsminderungsbonus wurden gestrichen.

Im besten Fall — Grundförderung 30 Prozent, voller Einkommensbonus 40 Prozent, Klimageschwindigkeitsbonus 16 Prozent — sind das 86 Prozent, gedeckelt auf maximal 80 Prozent. Auf 28.000 Euro förderfähige Kosten ergibt das bis zu 22.400 Euro Zuschuss.

Ein konkretes Rechenbeispiel: Eine Familie mit einem Haushalts-Jahreseinkommen von 35.000 Euro und einem Kind (gibt 10.000-Euro-Abzug, wirksames Einkommen 25.000 Euro → Einkommensbonus 40 Prozent) tauscht eine funktionierende Ölheizung. Ihre Förderquote: 30 + 40 + 16 = 86 Prozent, gedeckelt auf 80 Prozent. Bei 28.000 Euro förderfähigen Kosten sind das 22.400 Euro geschenkt. Eine Wärmepumpe, die 32.000 Euro kostet, schlägt für diese Familie mit 9.600 Euro Eigenanteil zu Buche.

Der teuerste Fehler beim Umstieg: Vertrag vor Förderung

Es passiert in der Branche jede Woche, und es kostet die Betroffenen bis zu 22.400 Euro: Ein Hauseigentümer unterschreibt den Auftrag für die Wärmepumpe, beauftragt den Installateur — und stellt dann fest, dass die KfW-Förderung abgelehnt wird. Der Grund ist immer derselbe. Die Förderung muss vor Vertragsabschluss beantragt werden.

Der korrekte Ablauf: Lieferschein vom Fachbetrieb mit der Bestätigung zum Antrag (BzA) einholen, den KfW-Antrag stellen, die Förderzusage abwarten — und erst dann den Vertrag unterschreiben, mit einer aufschiebenden Bedingung, die den Vertrag nur wirksam macht, wenn die Förderung bewilligt wird.

Vor drei Monaten kam ein Kunde zu uns, der genau diesen Fehler gemacht hatte. Alte Ölheizung, Baujahr 1992, lief noch, aber die Heizkosten fraßen 2.500 Euro im Jahr. Er hatte bei einem SHK-Betrieb unterschrieben, alles fix, 34.000 Euro Gesamtkosten. KfW-Antrag danach eingereicht. Die Antwort: abgelehnt. Der Vertrag enthielt keine aufschiebende Bedingung, und die Förderung muss VOR Vertragsabschluss beantragt werden. Verlust für die Familie: die vollen 22.400 Euro, die ihr nach Einkommensstaffel zugestanden hätten.

Die Regel ist einfach, aber sie wird erstaunlich oft falsch kommuniziert: BzA vom Fachbetrieb → Förderung beantragen → Zusage abwarten → Vertrag unterschreiben. Die Reihenfolge ist keine Empfehlung, sie ist eine Bedingung.

CO₂-Preis, Heizöl und warum Abwarten teurer ist als Umsteigen

2026 liegt der CO₂-Preis in Deutschland in einem Korridor von 55 bis 65 Euro pro Tonne. Das schlägt mit rund 3 Cent pro Liter Heizöl zu Buche — scheinbar wenig, aber die Richtung ist entscheidend. Ab 2027 wird der Preis vollständig marktbasiert im EU-Emissionshandel (ETS 2) gebildet, und die meisten Prognosen sehen einen Anstieg auf 100 bis 150 Euro pro Tonne bis 2030. Jede Tonne CO₂, die ein Ölkessel ausstößt, wird Jahr für Jahr teurer.

Gleichzeitig werden die Förderbedingungen schrittweise abgeschmolzen. Der maximale Förderbetrag sinkt ab Februar 2027 halbjährlich um 750 Euro. Der Klimageschwindigkeitsbonus fällt ab Februar 2027 von 16 auf 12 Prozent — und dann alle sechs Monate um weitere 4 Prozentpunkte. Wer den Umstieg auf 2028 verschiebt, verzichtet auf mehrere Tausend Euro Zuschuss und bezahlt in der Zwischenzeit steigende Ölpreise.

Die Rechnung ist deshalb nicht kompliziert: Ein Jahr warten kostet 2.200 Euro Heizöl, rund 1.800 bis 4.000 Euro entgangene Förderung und den Komfort einer neuen Heizung. Zehn Jahre warten geht nicht mehr — nach dem Gebäudeenergiegesetz (GEG) dürfen reine Ölheizungen ab 2026 in Bestandsgebäuden nur noch eingeschränkt weiterbetrieben werden, und spätestens wenn die kommunale Wärmeplanung steht, läuft für fossile Kessel die Uhr.

Der schmutzige kleine Unterschied zwischen Öl tanken und Strom beziehen

Es gibt ein Argument, das beim Umstieg auf die Wärmepumpe häufig fällt: „Aber wenn der Strompreis steigt, steigen doch auch die Heizkosten." Das ist richtig — und trotzdem irreführend. Eine Ölheizung hat genau eine Energiequelle. Steigt der Ölpreis, steigen die Kosten 1:1 mit. Eine Wärmepumpe bezieht Strom, und Strom kann aus mehreren Quellen kommen: aus dem Netz, aus der eigenen Photovoltaikanlage, perspektivisch aus einem dynamischen Tarif, der sich an den Börsenpreisen orientiert.

In unserem Beispiel von oben macht der PV-Anteil 250 bis 400 Euro Ersparnis im Jahr aus. Wer das in die Wirtschaftlichkeitsrechnung einbezieht, sieht: Die Wärmepumpe ist nicht nur die sauberere, sondern bei heutigen Preisen auch die günstigere Heizung — vorausgesetzt, sie wird ordentlich ausgelegt und nicht einfach auf Verdacht eine Nummer größer gekauft.

Die Kunst ist nicht, das teuerste Gerät zu finden. Die Kunst ist, das richtige — mit einer Heizlastberechnung, einem hydraulischen Abgleich und dem Wissen, welche Vorlauftemperatur dieses konkrete Haus an den kältesten Tagen braucht. Dafür reichen ein bis zwei Stunden, und danach steht die Zahl auf dem Papier. Kein Rätselraten, kein Bauchgefühl.

Wenn Sie Ihre alte Ölheizung ersetzen wollen, sprechen Sie mit jemandem, der Ihnen das durchrechnet — nicht mit jemandem, der Ihnen einen Sofortpreis nennt, ohne den Zählerschrank gesehen zu haben.

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Fotos: Vladimir Srajber (Hero), Mark Stebnicki (Öltanks), Sergei Starostin (Heizungsinstallation) via Pexels.

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