Photovoltaik mieten oder kaufen? Kosten, Rendite & Fallstricke 2026

Wer eine Photovoltaikanlage will, aber keine 15.000 Euro auf dem Konto hat, steht vor der Frage: mieten oder finanzieren? Die kurze Antwort: Kaufen ist über 20 Jahre fast immer günstiger — aber nicht jeder hat 15.000 Euro liquide, und nicht für jeden lohnt sich ein Kauf, weil er in 6 Jahren umzieht.
Die längere Antwort hängt von drei Faktoren ab: Ihrer Kapitalsituation, Ihrer geplanten Wohndauer und Ihrer steuerlichen Lage. Dieser Artikel rechnet beide Modelle mit echten Zahlen durch — ohne die Beschönigungen, die Mietanbieter gern in ihre Hochglanzprospekte drucken.

Was PV-Miete wirklich ist — und was nicht
PV-Miete ist ein irreführender Begriff. Rechtlich handelt es sich um ein Pacht- oder Contracting-Modell: Ein Anbieter installiert eine Photovoltaikanlage auf Ihrem Dach, Sie zahlen eine monatliche Rate und nutzen den erzeugten Strom. Die Anlage gehört dem Anbieter, er ist im Marktstammdatenregister als Betreiber eingetragen, er kassiert die Einspeisevergütung.
Das klingt einfach, hat aber praktische Konsequenzen. Sie sind nicht der Betreiber — Sie können nichts an der Anlage ändern, keinen Speicher nachrüsten, keinen Wallbox-Anschluss dazubauen, ohne den Vermieter zu fragen. Und wenn etwas kaputtgeht, hängt es vom Vertrag ab, wer zahlt.
Die typischen Konditionen 2026:
| PV-Miete (10 kWp) | PV-Miete mit Speicher | |
|---|---|---|
| Monatliche Rate | 120–180 € | 200–280 € |
| Vertragslaufzeit | 20 Jahre | 20 Jahre |
| Einmalige Anschlussgebühr | 0–1.000 € | 0–1.000 € |
| Wartung & Versicherung | Meist enthalten | Meist enthalten |
| Wechselrichter-Tausch | Nicht immer enthalten | Nicht immer enthalten |
| Kaufoption | Selten | Selten |
Der entscheidende Punkt, den Mietanbieter nicht auf die erste Seite schreiben: Nach 20 Jahren und 28.800 bis 43.200 Euro Mietzahlungen gehört Ihnen die Anlage nicht. Sie haben Stromkosten gespart — aber kein Eigentum erworben.
Kauf oder Kredit: Was eine eigene Anlage kostet
Eine 10-kWp-PV-Anlage kostet 2026 schlüsselfertig zwischen 14.000 und 18.000 Euro — das sind etwa 1.500 Euro pro kWp, Lieferung und Umsetzung durch qualifizierte Partnerbetriebe inklusive. Mit 10-kWh-Speicher liegen Sie bei 21.000 bis 26.000 Euro.
Drei Finanzierungswege im Vergleich:
1. Direktkauf aus Eigenkapital. Die günstigste Variante. 15.000 Euro einmalig, danach sparen Sie jährlich etwa 1.500 Euro Stromkosten. Amortisation nach 10 Jahren, Rendite über 25 Jahre: rund 9 Prozent. Wer das Geld auf dem Konto hat, sollte nicht mieten.
2. Ratenkredit. 15.000 Euro auf 10 Jahre, bei 5 Prozent Zins: 159 Euro monatlich. Das ist weniger als die Stromersparnis von etwa 125 Euro im Monat — die Differenz von 34 Euro zahlen Sie aus eigener Tasche, dafür gehört die Anlage nach 10 Jahren Ihnen. In den Jahren 11 bis 30 sparen Sie dann jährlich 1.500 Euro ohne weitere Kosten. Gesamtersparnis über 20 Jahre: etwa 12.000 Euro (nach Zinsen).
3. KfW-Förderkredit 270. Noch günstiger als der Hausbank-Kredit, speziell für PV-Anlagen und Speicher. Zinsen liegen 1-2 Prozent unter dem Marktniveau. In Kombination mit dem Nullsteuersatz auf PV-Anlagen (keine Mehrwertsteuer seit 2023) ist das aktuell der günstigste Weg zur eigenen Anlage.

Die Rechenbeispiele: Miete vs. Kauf über 20 Jahre
Rechnen wir beide Modelle für dasselbe Einfamilienhaus mit 10 kWp, 4.500 kWh Jahresverbrauch und 30 Prozent Eigenverbrauchsquote ohne Speicher durch.
Mietmodell (20 Jahre):
- Monatliche Rate: 150 € (Durchschnitt)
- Gesamte Mietzahlungen: 36.000 €
- Stromkostenersparnis pro Jahr: ~1.000 € (Sie zahlen nur den Reststrom, die Einspeisevergütung kassiert der Vermieter)
- Ersparnis über 20 Jahre: 20.000 €
- Abzüglich Mietzahlungen: −16.000 €
- Die Anlage gehört Ihnen nicht
Kauf (Kredit, 10 Jahre):
- Kreditsumme: 15.000 €, 5 % Zins, 10 Jahre
- Monatliche Rate: 159 €
- Gezahlte Zinsen gesamt: ~4.100 €
- Stromkostenersparnis pro Jahr: ~1.500 € (Sie bekommen auch die Einspeisevergütung, aktuell 7,70 ct/kWh)
- Ersparnis über 20 Jahre: 30.000 €
- Abzüglich Kaufpreis + Zinsen: +10.900 €
- Die Anlage gehört Ihnen (Restwert nach 20 Jahren: ~3.000-5.000 €)
Die Differenz beträgt rund 27.000 Euro über 20 Jahre — zugunsten des Kaufs. Das sind 1.350 Euro pro Jahr, die Sie beim Mietmodell liegen lassen.
Selbst wenn Sie den Kredit auf 15 Jahre strecken (niedrigere Rate, mehr Zinsen), liegt der Kauf noch etwa 20.000 Euro vorne.
Wann die Miete trotzdem sinnvoll sein kann: Wenn Sie in 5-8 Jahren umziehen und keine Kaufoption mit flexibler Übergabe im Vertrag steht, kann die Miete die pragmatischere Lösung sein — vorausgesetzt, der Vertrag lässt sich auf den Käufer übertragen oder vorzeitig kündigen.
Was Mietverträge gern verschweigen
Wir haben in den letzten Jahren Dutzende Mietverträge verglichen — nicht als Anbieter, sondern weil Kunden zu uns kamen, die ein Mietangebot prüfen lassen wollten. Die häufigsten Fallstricke:
Der Wechselrichter-Tausch. Ein Wechselrichter hält 12-15 Jahre. In einem 20-Jahres-Mietvertrag fällt der Tausch genau einmal an. Kosten: 1.500-2.500 Euro. Steht nicht im Vertrag? Dann zahlen Sie. Immer schriftlich klären.
Die Einspeisevergütung gehört dem Vermieter. Bei einer 10-kWp-Anlage mit 30 Prozent Eigenverbrauch speisen Sie jährlich etwa 6.650 kWh ein. Bei 7,70 Cent pro kWh sind das 512 Euro pro Jahr, die der Vermieter kassiert. Über 20 Jahre: über 10.000 Euro. Das ist der Hauptgrund, warum Miete langfristig teurer ist — Sie bezahlen mit Ihrer Dachfläche die Rendite des Anbieters.
Die EEG-Novelle 2027. Für Mietanlagen, die ab 2027 in Betrieb gehen, gilt die neue Direktvermarktungspflicht mit 5,20 Cent Übergangsvergütung für 36 Monate. Das mindert die Einspeiseerlöse des Vermieters — und manche Anbieter versuchen, dieses Risiko über eine Mietpreis-Klausel auf Sie abzuwälzen. Prüfen Sie, ob die monatliche Rate für die gesamte Vertragslaufzeit fix ist.
Dachsanierung. Wenn Ihr Dach in 10 Jahren neu gedeckt werden muss, muss die Anlage runter und wieder rauf. Kosten: 2.000-4.000 Euro. Steht fast nie im Mietvertrag. Wer ein älteres Dach hat, sollte diesen Punkt vorab klären — beim Kaufmodell ist das Ihr Risiko, beim Mietmodell oft auch.

Ein Systemvergleich, den Ihnen kein Mietanbieter vorrechnet
Vor sechs Monaten kam ein Kunde zu uns, der ein Mietangebot für eine 10-kWp-Anlage auf dem Tisch hatte: 165 Euro monatlich, 20 Jahre, keine Kaufoption. Parallel hatte er bei uns eine Kauf-Anfrage laufen.
Unsere Auswertung per Satellit und strukturierter Foto-Dokumentation ergab, dass eine 12-kWp-Anlage auf sein Dach passte — 20 Prozent mehr Leistung für etwa 1.800 Euro Mehrkosten. Im Mietvertrag wären es für immer 10 kWp geblieben, weil der Anbieter nur ein Standardpaket anbot.
Er finanzierte die Größere über einen KfW-Kredit, zahlt 175 Euro monatlich über 10 Jahre — und hat danach 2 kWp mehr Leistung, die Anlage gehört ihm, und er bekommt die volle Einspeisevergütung. Der Mietvertrag hätte ihn 20 Jahre an ein unterdimensioniertes System gebunden.
Das ist kein Einzelfall. Mietanbieter arbeiten mit Standardpaketen — was aufs Dach passt, entscheidet der Vertrieb, nicht die optimale Auslegung. Ein System, das die Dachfläche per Satellit ausmisst und mit KI-gestützter Analyse die beste Modulbelegung berechnet, kommt oft auf eine andere — meist größere — Anlagenkonfiguration.
Für wen lohnt sich was?
Kaufen (bar oder Kredit), wenn:
- Sie länger als 10 Jahre im Haus bleiben
- Sie Eigenkapital oder einen günstigen Kredit bekommen
- Sie Wert auf Eigentum legen — inklusive der Möglichkeit, später einen Speicher nachzurüsten
- Sie die Einspeisevergütung selbst vereinnahmen wollen
Mieten, wenn:
- Sie in 5-8 Jahren umziehen und der Mietvertrag eine flexible Übergabe oder Kaufoption vorsieht
- Sie weder Eigenkapital noch Kreditwürdigkeit für einen Kredit haben
- Sie null Aufwand mit der Anlage haben wollen (wobei: Wartung und Monitoring sind bei den meisten PV-Anlagen ohnehin minimal)
Finanzieren, wenn:
- Sie kaufen wollen, aber nicht alles auf einmal zahlen können
- Sie den KfW-Kredit 270 bekommen — das ist aktuell die attraktivste Mischung aus niedrigen Raten und Eigentumserwerb
Für den typischen Eigenheimbesitzer, der in seinem Haus alt werden will, ist die Rechnung eindeutig: Kauf oder Kredit schlägt Miete. Über 20 Jahre liegen zwischen beiden Modellen 20.000 bis 27.000 Euro.
So gehen Sie beim Vergleich vor
- Gesamtkosten über 20 Jahre vergleichen, nicht Monatsraten. Die Monatsrate der Miete sieht niedrig aus, summiert sich aber.
- Einspeisevergütung einrechnen. Fragen Sie den Mietanbieter, ob die Vergütung bei ihm verbleibt — und rechnen Sie sie beim Kaufmodell zu Ihren Gunsten.
- Kaufoption prüfen. Ein Mietvertrag ohne Kaufoption nach 10-15 Jahren ist fast nie ein gutes Geschäft.
- KfW-Kredit prüfen, bevor Sie mieten. Viele Hausbesitzer wissen nicht, dass sie Anspruch auf den Förderkredit 270 haben.
- Dachfläche ausmessen lassen, nicht das erstbeste Standardpaket nehmen. 2 kWp mehr oder weniger machen über 20 Jahre 5.000-7.000 Euro Unterschied.
- Wechselrichter-Tausch und Dachsanierung schriftlich klären — wer zahlt, wenn das in Jahr 12 oder 15 anfällt.
Bei Turn Solar planen wir Anlagen per Satellit und Foto-Dokumentation, kalkulieren den Festpreis und setzen mit qualifizierten Partnerbetrieben um. Ob Kauf oder Finanzierung — vor dem Vertrag steht bei uns die exakte Auslegung, nicht das Standardpaket.
Kostenlose Beratung, vor Ort in NRW
Wir prüfen Ihr Dach, rechnen den Ertrag und nennen Ihnen einen Festpreis. Unverbindlich.
Beratungstermin buchen