Wieviel Strom verbraucht eine Wärmepumpe? Zahlen für Einfamilienhaus, Altbau und 100 qm

Wieviel Strom verbraucht eine Wärmepumpe — das ist die Frage, die uns in jedem dritten Beratungsgespräch als Erstes gestellt wird. Vor den Kosten, vor der Förderung, vor dem Modell. Die kurze Antwort: Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe im typischen Einfamilienhaus braucht zwischen 3.500 und 6.000 kWh Strom im Jahr. An kalten Wintertagen sind es 25 bis 40 kWh.
Die lange Antwort hängt von fünf Stellschrauben ab, und mindestens zwei davon werden in den meisten Online-Rechnern falsch eingestellt. Hier sind die echten Zahlen — nicht die aus dem Prospekt.
Welche Faktoren den Stromverbrauch wirklich bestimmen
Drei Dinge entscheiden, ob Ihre Wärmepumpe bei 4.000 oder bei 9.000 kWh im Jahr landet — und die Wohnfläche ist nicht mal das wichtigste davon.
Die Jahresarbeitszahl (JAZ). Eine JAZ von 4,0 bedeutet: Aus einer Kilowattstunde Strom macht die Wärmepumpe vier Kilowattstunden Wärme. Der Rest kommt aus der Außenluft. Eine JAZ von 3,0 heißt: Sie brauchen ein Drittel mehr Strom für die gleiche Wärme. Der Unterschied zwischen JAZ 4,0 und JAZ 3,0 — das sind bei einem typischen Haus rund 1.700 kWh oder über 400 Euro im Jahr.
Die Vorlauftemperatur. Jedes Grad weniger spart etwa 2,5 Prozent Strom. Eine Fußbodenheizung läuft mit 30 bis 35 °C, alte Heizkörper brauchen 55 bis 65 °C. Das ist der Grund, warum die gleiche Wärmepumpe im Neubau 3.500 kWh und im unsanierten Altbau 8.000 kWh ziehen kann — nicht die Außenluft, sondern die benötigte Vorlauftemperatur.
Der Dämmstandard. Ein Haus mit 100 kWh Wärmebedarf pro Quadratmeter im Jahr braucht die dreifache Strommenge wie eines mit 30 kWh. Wer vor der Wärmepumpe Dach oder Kellerdecke dämmt, reduziert den Verbrauch dauerhaft — unabhängig vom Wärmepumpenmodell. Pro zehn Zentimeter zusätzlicher Dämmung sinkt der Wärmebedarf um 15 bis 25 Prozent.

Stromverbrauch berechnen — so einfach geht's
Die Formel ist simpel, die Zahlen sind das Problem. Die meisten Leute setzen falsche Werte ein, weil sie weder ihre Heizlast noch ihre reale JAZ kennen. Hier ist, wie Sie es trotzdem hinkriegen:
Stromverbrauch (kWh) = Heizlast (kW) ÷ JAZ × Betriebsstunden (h)
Ein Beispiel mit echten Zahlen: Ein Haus mit 10 kW Heizlast, einer JAZ von 4,0 und 2.000 Betriebsstunden im Jahr braucht 5.000 kWh Strom. Dasselbe Haus mit einer JAZ von 3,0 — etwa weil die Vorlauftemperatur 55 °C statt 35 °C beträgt — braucht 6.667 kWh. Ein Drittel mehr.
Die Heizlast bekommen Sie nicht mit einer Faustformel. Quadratmeter mal 50 Watt funktioniert bei Neubauten zufällig, bei Altbauten fast nie. Eine Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 kostet einmalig 300 bis 600 Euro — und spart Ihnen eine falsch dimensionierte Wärmepumpe, die dauerhaft zu viel Strom zieht.
Die Betriebsstunden sind der unterschätzte Faktor. Im Neubau läuft die Wärmepumpe 1.200 bis 1.500 Stunden im Jahr. Im unsanierten Altbau sind es 1.800 bis 2.200 Stunden — fast das Doppelte. Deshalb kann der Verbrauch bei gleicher Heizlast um 60 Prozent auseinandergehen.
Stromverbrauch pro Tag im Winter — realistische Werte
Zwischen Dezember und Februar kann die Tagesanzeige erschrecken. Das ist normal. An einem Tag mit 0 °C Außentemperatur zieht eine Luft-Wasser-Wärmepumpe 25 bis 40 kWh. Bei minus 10 °C können es 50 bis 60 kWh sein.
Zum Vergleich: Ein durchschnittlicher Vier-Personen-Haushalt verbraucht im ganzen Jahr etwa 3.500 bis 4.000 kWh Strom — die Wärmepumpe kann das im Winter in drei Monaten schaffen. Deshalb lohnt sich ein WP-Tarif fast immer.
Wichtig zu verstehen: Der Verbrauch ist nicht linear. An milden Tagen mit 8 °C Außentemperatur liegt er bei 15 bis 20 kWh. Die richtig teuren Tage sind die 20 bis 30 Kältetage im Jahr, an denen die Außentemperatur unter minus 5 °C fällt. An diesen Tagen arbeitet der elektrische Heizstab mit — und der zieht Strom zum Preis von Wärme aus der Steckdose, nicht aus der Luft.

Stromverbrauch pro Jahr — Beispiele nach Haustyp
Hier wird es konkret. Drei reale Szenarien mit den drei größten Hebeln — Dämmung, Vorlauftemperatur und Betriebsstunden:
Neubau (150 m², KfW 40, Fußbodenheizung): Heizlast 6 kW, JAZ 4,5, 1.300 Betriebsstunden. Stromverbrauch: rund 1.700 kWh pro Jahr. Jahreskosten bei 25 Cent/kWh: etwa 430 €.
Teilsanierter Altbau (150 m², Baujahr 1985, Heizkörper): Heizlast 10 kW, JAZ 3,5, 1.800 Betriebsstunden. Stromverbrauch: rund 5.100 kWh pro Jahr. Jahreskosten: etwa 1.280 €.
Unsanierter Altbau (150 m², Baujahr 1965, alte Heizkörper): Heizlast 14 kW, JAZ 3,0, 2.100 Betriebsstunden. Stromverbrauch: rund 9.800 kWh pro Jahr. Jahreskosten: etwa 2.450 €.
Die Spanne zwischen Neubau und Altbau ist ein Faktor sechs — nicht wegen der Wärmepumpe, sondern wegen des Hauses. Die Erkenntnis: Eine Wärmepumpe im Altbau verbraucht mehr Strom, ja. Aber eine Gasheizung im gleichen Altbau verbraucht auch mehr Gas. Die Frage ist nicht Verbrauch absolut, sondern Kosten im Vergleich.

Wieviel kW Wärmepumpe für 100 qm?
Das ist der häufigste Fehler: die Wärmepumpe nach Quadratmetern auszulegen. Die Heizlast pro Quadratmeter variiert zwischen 25 und 100 Watt — je nach Baujahr und Dämmung. Die richtige Frage ist nicht "wieviel kW für 100 qm", sondern "wieviel kW für MEIN Haus".
Hier die realistischen Bandbreiten für eine 100-qm-Wohnung:
- Gut gedämmter Neubau: 4 bis 6 kW Heizlast → 5 bis 7 kW Wärmepumpe
- Teilsanierter Altbau: 7 bis 9 kW Heizlast → 8 bis 10 kW Wärmepumpe
- Unsanierter Altbau: 10 bis 14 kW Heizlast → 11 bis 16 kW Wärmepumpe
Eine zu große Wärmepumpe taktet. Das heißt: Sie springt an, heizt in 15 Minuten durch und schaltet wieder ab — 20.000 Startvorgänge im Jahr statt optimaler 2.000. Das killt den Kompressor und frisst Strom. Eine zu kleine Wärmepumpe läuft durch und schafft die Wärme an den Kältetagen nicht — dann springt der teure Heizstab an.
Wir hatten letzten Monat einen Fall, der das perfekt illustriert: Familie S. aus Essen hatte online einen "Wärmepumpen-Rechner" genutzt — Ergebnis 12 kW für ihr 1962er Haus mit 140 m². Der Vorbesitzer hatte aber vor 15 Jahren Dach und obere Geschossdecke gedämmt. Die echte Heizlast nach DIN EN 12831: 7,2 kW. Hätten sie die 12 kW eingebaut, wäre die Anlage jahrelang getaktet und hätte unnötig Strom gefressen. Der Unterschied in der Investition: über 3.000 Euro — für nichts.

Wärmepumpenstrom: Der günstigere Tarif, den die meisten nicht kennen
Wärmepumpenstrom kostet 20 bis 28 Cent pro kWh — gegenüber 35 bis 40 Cent für normalen Haushaltsstrom. Der Tarif lohnt sich ab etwa 3.000 kWh Jahresverbrauch, was bei fast jeder Wärmepumpe der Fall ist.
Seit 2024 gilt §14a EnWG in der Praxis: Netzbetreiber dürfen die Wärmepumpe in Engpass-Situationen kurzzeitig drosseln — dafür bekommen Sie reduzierte Netzentgelte. Die Drosselung passiert maximal zwei Stunden am Stück und ist im Alltag nicht spürbar, weil der Pufferspeicher die Wärme hält. Sie brauchen dafür einen separaten Zähler oder ein Smart Meter.
Der Haken: Nicht jeder regionale Versorger bietet einen WP-Tarif an. In NRW liegen die Preise zwischen 21 Cent (Stadtwerke Düsseldorf) und 28 Cent (kleinere Stadtwerke im Umland). Es lohnt sich, nicht nur Ihren Grundversorger zu fragen, sondern alle Anbieter in Ihrer Region zu vergleichen. Ein Cent Unterschied macht bei 5.000 kWh Jahresverbrauch 50 Euro aus.
So senken Sie den Stromverbrauch — fünf Maßnahmen, die wirklich wirken
Drei davon kosten fast nichts. Zwei kosten Geld, amortisieren sich aber in drei bis sieben Jahren.
- Vorlauftemperatur absenken. Prüfen Sie, bei welcher Vorlauftemperatur Ihre Heizkörper den Raum noch warm halten. Oft reichen 50 °C statt 60 °C — das spart 15 bis 25 Prozent Strom. Kosten: null.
- Heizkurve richtig einstellen. Die Werkseinstellung ist fast immer zu hoch. Lassen Sie die Heizkurve von einem Fachbetrieb an Ihr Haus anpassen. Kosten: einmalig 150 bis 300 Euro.
- Hydraulischer Abgleich. Wenn Heizkörper unterschiedlich warm werden, arbeitet die Pumpe ineffizient. Ein hydraulischer Abgleich sorgt für gleichmäßige Wärmeverteilung und spart 5 bis 15 Prozent Strom. Kosten: 400 bis 800 Euro — wird mit 15 Prozent über BEG gefördert.
- Dämmung verbessern. Oberste Geschossdecke dämmen kostet 30 bis 50 Euro pro Quadratmeter und rechnet sich in drei bis fünf Jahren — allein über den geringeren Wärmepumpen-Strom. Kosten: 2.000 bis 4.000 Euro für ein typisches Dachgeschoss.
- Photovoltaik nachrüsten. 30 bis 60 Prozent des Wärmepumpen-Strombedarfs lassen sich über eine PV-Anlage mit Speicher selbst decken. Tagsüber, wenn die WP am effizientesten läuft, scheint auch die Sonne. Kosten: ab 15.000 Euro — aber der selbst erzeugte Strom kostet 8 bis 12 Cent statt 25 Cent aus dem Netz.
Wärmepumpe mit PV: Der doppelte Vorteil
Die Kombination Wärmepumpe plus Photovoltaik ist kein Öko-Feature — es ist eine Wirtschaftlichkeitsrechnung. Eine Wärmepumpe läuft zu 60 bis 70 Prozent tagsüber, genau dann, wenn die PV-Anlage Strom liefert. Mit einer 10-kWp-Anlage und einem 10-kWh-Speicher decken Sie im Schnitt 40 bis 50 Prozent des Wärmepumpen-Stroms aus Eigenverbrauch.
Die Rechnung: 5.000 kWh Jahresverbrauch, davon 2.000 kWh aus der eigenen PV-Anlage zum Preis von 10 Cent (Abschreibung und Betrieb) und 3.000 kWh aus dem Netz zu 25 Cent. Gesamtkosten: 950 Euro statt 1.250 Euro — 300 Euro Ersparnis jedes Jahr, Tendenz steigend.
Wer den Speicher tagsüber über die WP entlädt und nachts nicht heizen muss, kann die Eigenverbrauchsquote auf über 60 Prozent treiben — das ist der Sweet Spot, den die meisten unterschätzen.
FAQ: Häufige Fragen zum Stromverbrauch
Kann ich den Stromverbrauch meiner Wärmepumpe im Voraus berechnen?
Ja, über die Formel Heizlast ÷ JAZ × Betriebsstunden. Aber die Zahlen müssen von Ihrem Haus kommen, nicht von einer Fausttabelle. Wer nur Quadratmeter mal Pauschalwert rechnet, liegt bei Altbauten regelmäßig 30 bis 50 Prozent daneben. Lassen Sie eine Heizlastberechnung machen — das ist die beste Investition vor dem Kauf.
Ist eine Wärmepumpe auch im Altbau ohne Fußbodenheizung effizient?
Ja. Das ist der häufigste Mythos, den wir in der Beratung hören — meist vom Schornsteinfeger gesetzt. In etwa 80 Prozent der Altbauten reichen die vorhandenen Heizkörper aus, weil sie in den 90er Jahren oft überdimensioniert eingebaut wurden. Was zählt, ist die Vorlauftemperatur: Eine moderne Wärmepumpe arbeitet bis 55 °C effizient. Darüber wird es teuer. Tauschen Sie einzelne alte Heizkörper gegen moderne Niedertemperatur-Modelle — das ist günstiger als eine Fußbodenheizung nachzurüsten und bringt den gleichen Effizienzgewinn.
Verbraucht eine Luft-Wärmepumpe mehr Strom als eine Erdwärmepumpe?
Ja, etwa 20 bis 30 Prozent mehr — weil die Lufttemperatur im Winter niedriger ist als die Bodentemperatur. Dafür kostet die Luft-Wärmepumpe in der Anschaffung 10.000 bis 15.000 Euro weniger und braucht keine Genehmigung. Für die meisten Bestandsbauten ist die Luft-Wasser-Wärmepumpe der wirtschaftlich sinnvollere Weg — die Mehrkosten der Erdsonde holen Sie über den geringeren Verbrauch oft erst nach 15 bis 20 Jahren wieder rein.
Ab wann lohnt sich ein Wärmepumpenstrom-Tarif?
Ab etwa 3.000 kWh Jahresverbrauch. Bei weniger Verbrauch frisst die Grundgebühr des zweiten Zählers die Ersparnis auf. Eine typische Wärmepumpe im Einfamilienhaus liegt fast immer darüber — außer im Passivhaus oder bei sehr kleiner Wohnfläche.
Wie finde ich heraus, was meine Wärmepumpe wirklich verbraucht?
Einbau eines Zwischenzählers (150 bis 300 Euro). Der Wärmemengenzähler misst zusätzlich die erzeugte Wärme — dann können Sie Ihre reale JAZ selbst ausrechnen. Alle namhaften Hersteller haben außerdem Apps mit Verbrauchsdaten. Wer keinen separaten Zähler hat: Stromverbrauch am kältesten Tag und am mildesten Tag ablesen und über die Betriebsstunden hochrechnen.
Die genannten Zahlen basieren auf den technischen Daten von Viessmann-Wärmepumpen (Vitocal-Serie, Stand 2024), Heizspiegel 2024 sowie realen Verbrauchsdaten aus über 400 Wärmepumpen-Projekten, die wir in NRW begleitet haben. Strompreise Stand August 2026. Ihre individuellen Werte hängen von Gebäude, Region und Nutzungsverhalten ab — eine Heizlastberechnung durch einen Fachbetrieb ersetzt jede Pauschalrechnung.
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